KOMMENTAR
Ausbildungsberufe in der KEP-Branche

*Kerstin Wenzel
Pressesprecherin und Ausbildungsverantwortliche,
GO! General Overnight Service (Deutschland) GmbH, Bonn
Es ist schon kurios: Auf der einen Seite fehlen Ausbildungsplätze, der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Michael Glos, appelliert dementsprechend regelmäßig an die Unternehmen in Deutschland, Ausbildungsplätze zu schaffen, auf der anderen Seite gibt es immer wieder Betriebe, die ausbilden wollen, aber keine Berufsanwärter finden. Auch wir von GO! EXRESS & LOGISTICS stoßen auf dieses Phänomen. Woran liegt das?
Bereits seit über 10 Jahren arbeitet die KEP (Kurier- Express- und Paketdienst)-Branche auf einen eigenen Ausbildungsberuf hin und hat lange darauf warten müssen, dass dieser Realität wird. Am 29.03.2005 wurde im Bundesgesetzblatt Jahrgang 2005, Teil 1 Nr. 18, die Veröffentlichung herausgegeben. Seit August 2005 haben wir damit nun die Gelegenheit, über die neu geschaffenen Ausbildungsberufe KEP-Kaufmann/-frau, Fachkraft KEP und Servicefahrer für qualifizierten Nachwuchs zu sorgen.
Der Grund für die Schaffung dieses neuen Berufsbildes war ein immer stärker werdender Mangel an Fachkräften und Spezialisten im KEP-Bereich. Der Trend zu immer kürzeren Beschaffungszeiten, kleineren Versandeinheiten und kundenindividuellen Anforderungen hat in den letzten Jahren für ein stetiges Wachstum im KEP-Segment gesorgt. Die bisher angebotenen Ausbildungsgänge wie zum Beispiel zum Speditionskaufmann entsprachen aber nicht mehr den speziellen Bedürfnissen der KEP-Unternehmen. Auch GO! hat sich daher bereits seit Jahren über den Bundesverband Internationaler Express- und Kurierdienste (BIEK) aktiv für die Schaffung des neuen Berufsbildes eingesetzt und nutzt seit dem offiziellen Starttermin engagiert die damit verbundenen Möglichkeiten. Bereits 11 KEP-Nachwuchskräfte erlangen ihr Praxis-Know-how seit Herbst 2005 in einer der flächendeckend in Deutschland ansässigen GO!-Stationen. Für das Jahr 2006 sieht der GO!-Verbund weitere 15 Ausbildungsplätze mit hervorragenden beruflichen Perspektiven in der KEP-Branche vor. Damit übernimmt GO! als mittelständischer Markt- und Qualitätsführer im KEP-Segment eine Vorreiterrolle. Wir stellen uns jedoch die Frage, warum nur so wenige KEP-Betriebe bisher ausbilden? Entweder werden noch gar keine oder nur vereinzelt Ausbildungsplätze angeboten. Ist es geringes Interesse in Verbindung mit mangelndem Engagement oder liegt es vielleicht auch daran, dass sich die Ausbildungsbetriebe nicht selten von den Berufsschulen, den örtlich zuständigen Agenturen für Arbeit und IHK im Stich gelassen fühlen? Auch eine Vielzahl der ausbildenden GO!-Stationen haben diese Erfahrung vor Ort machen müssen. Da gibt es zum Beispiel Patrick Berthold, der am 1. August 2005 seine Ausbildung in der GO!-Station Kassel begonnen hat. Zur Berufsschule muss der angehende KEP-Kaufmann aber nach Frankfurt am Main fahren. Am Logistik-Standort Kassel selbst gibt es nämlich keine Berufsschulklasse für künftige KEP-Spezialisten. Das bedeutet, viermal im Jahr muss Patrick Berthold für jeweils drei Wochen zum Blockunterricht nach Frankfurt. Die aufwändigen Berufsschulbesuche sind damit enorm zeit- und kostspielig. Auch für den zweiten KEP-Kaufmann, der im Sommer 2006 in Kassel seine Ausbildung beginnen wird, sieht die Situation nicht anders aus. Erneut sieht sich die GO!-Station gezwungen, den weiten Weg nach Frankfurt zur Berufsschule anzutreten. Und dass es nach über einem Jahr, seit der neue Beruf im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wurde, tatsächlich nicht nur in Kassel, sondern auch in vielen anderen Großstädten, die ebenfalls als top Logistikstandorte mit zahlreichen Hauptumschlagbetrieben der KEP-Anbieter in Deutschland gelten, noch keine KEP-Berufsschulklasse gibt, kann man nicht nur bedauerlich empfinden, sondern als skandalös betrachten. Darüber hinaus muss auch immer wieder die Erfahrung gemacht werden, dass die IHK als auch die Agenturen für Arbeit nicht ausreichend über die neuen Lehrberufe aufgeklärt sind und dementsprechend Lehrstellenbewerber nicht umfangreich informieren können.
Bedauerlich, Politik und Wirtschaft haben zur Schaffung neuer Arbeitsplätze in einer zukunftsträchtigen Branche eine noch nicht stimmige gemeinsame Gangart entwickeln können. Die ausbildenden GO!-Stationen schauen aber optimistisch in die Zukunft. Sie alle stehen in engem Kontakt zu den Einrichtungen, um gemeinsam Lösungen zur Abschaffung dieser gravierenden Missstände zu schaffen. Im Interesse der gesamten KEP-Branche hoffen wir, dass die IHK ihrer ursprünglichen Verantwortung nachkommen und kurzfristig Lösungen schaffen. Geht es doch um insgesamt 3.000 bis 4.000 neue Ausbildungsplätze.

Beispielhaft bildet die GO!-Station in Dortmund aus: v.l.n.r. Patrick Bouassida (21) KEP-Fachkraft, Iyonne Schwertfeger (18), Bürokauffrau im 2. Lehrjahr, und Manuel Witt (17) KEP-Kaufmann. Zusammen mit Prokuristin Sabine Paulus (2. v .r.), die sich für den qualifizierten Branchennachwuchs in der GO!-Station als auch bei der örtlichen IHK und Berufsschule für optimale Voraussetzungen engagiert einsetzt.
Über GO! Express & Logistics
GO! Express & Logistics ist ein Zusammenschluss mittelständischer Kurierdienstleister mit 15 Gesellschaftern in Deutschland. GO! steht für den sicheren Transport zeitsensibler Sendungen – regional, national, international. Geliefert werden Dokumente, Pakete, Briefe und andere Frachtsendungen.
Das Unternehmen beschäftigt insgesamt mehr als 700 Mitarbeiter und über 3.000 Kuriere in über 70 Stationen deutschland- und europaweit und betreut 70.000 Kunden. Weltweit arbeitet GO! mit einem internationalen Partnernetzwerk zusammen.
GO! hat sich seit den Anfängen zum mittelständischen Marktführer in Deutschland entwickelt und ist heute Qualitätsführer im KEP-Segment.
Für die Zukunft sind die Weichen gestellt: Die stärkere internationale Ausrichtung wird über die Errichtung eigener Stationen im Ausland und über den Ausbau des internationalen Kooperationsnetzes vorangetrieben. Die konsequente Verfolgung hoher Qualitätsstandards und strategische Kooperationen sichern GO! auch künftig einen Platz auf den vorderen Rängen des Express-Marktes.
GO!-Pressekontakt
Kerstin Wenzel • Pressesprecherin
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